Cannabisüberdosierung, Intoxikation und Entzugssymptome

Akute Intoxikation: Panikattacken (heftige Angstzustände), psychotisch Symptome (Halluzinationen-optisch, akustisch, taktil), paranoide Ideen (Misstrauen), beeinträchtigte Aufmerksamkeit/Urteilsvermögen, mangelnde Konzentration, gestörte psychomotorische Koordination, Übelkeit, Erbrechen, Ohnmachtsgefühle, Schwindel, Herz/Blutdruckprobleme, verlangsamtes Zeiterleben, Depersonalisation, Derealisation, verstärkter Appetit und Hungergefühl, Mundtrockenheit, Rötung der Bindehaut (1).

Gegenmittel: Akute Intoxikationssymptome gehen meist von allein zurück; unterstützend wirken eine ruhige, geschützte Umgebung und die Anwesenheit beruhigender Bezugspersonen (1)

Eine Atemlähmung ist durch Cannabis nicht zu erwarten, da in den für die zentrale Atemregulation entscheidenden Hirnstammregionen keine bzw. nur sehr wenige CB1 Rezeptoren als Bindungsstellen für THC vorhanden sind (1).

Cannabis kann akute kardiovaskuläre Ereignisse wie Angina pectoris Beschwerden und – insbesondere bei prädisponierten Personen – akute Koronarsyndrome triggern. Beobachtungsstudien und Fallserien legen nahe, dass das Risiko für Myokardinfarkte in den Stunden nach dem Konsum erhöht ist, vor allem bei Patient*innen mit vorbestehender koronarer Herzkrankheit oder kürzlich erlittenem Infarkt (2). Zudem wird Cannabis mit hämodynamischen Veränderungen (z.B. Blutdruckabfällen, teils orthostatischer Hypotonie) und einem erhöhten Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse wie ischämische Schlaganfälle in Verbindung gebracht (3;4); der Mischkonsum mit Alkohol dürfte diese Effekte zusätzlich verstärken.
Hyperemesis-Syndrom: bezeichnet ein übermäßiges, anhaltendes, stark ausgeprägtes Erbrechen, das zu Dehydration, Elektrolytstörungen und teils deutlicher Beeinträchtigung des Allgemeinzustands führen kann. Es tritt selten bei langem und hohem Konsum von Cannabis auf und erfordert eine Dosisreduktion oder das Absetzen des Medikaments (5).

Cannabisentzug Symptome: können nach abruptem Absetzen bei Patienten auftreten, die über einige Wochen bis Monate täglich hochdosierte THC‑Produkte angewendet haben. Typischerweise setzen Entzugssymptome 24–48 Stunden nach Beendigung des Konsums ein, erreichen nach etwa 2–6 Tagen ihren Höhepunkt und können bis zu drei Wochen oder darüber hinaus andauern. In der Regel verläuft der Cannabisentzug jedoch eher mild und ist meist nicht mit gravierenden medizinischen Komplikationen verbunden. Häufige Symptome sind Reizbarkeit, Wut und aggressives Verhalten, Zittern, Schlafstörungen, innere Unruhe, Angst, depressive oder deutlich gedrückte Stimmung, Appetitminderung mit Gewichtsverlust, Kopfschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost sowie Bauch und Muskelschmerzen (1).

Cannabisinduzierte Psychosen: in der Regel bilden sich die Symptome vollständig zurück, ohne bleibende Folgen. Im Unterschied zur akuten Cannabisintoxikation können die psychotischen Symptome (z.B. paranoide Vorstellungen, Halluzinationen, Derealisation, Depersonalisation) jedoch über Tage bis Wochen fortbestehen. Persistieren diese Symptome länger als etwa vier Wochen, ist differenzialdiagnostisch von einer Störung aus dem schizophrenen Formenkreis auszugehen. Da sich Cannabisintoxikationen, cannabisinduzierte Psychosen und psychotische Störungen mit Cannabiskonsum klinisch stark ähneln können, sollte Betroffenen – unabhängig davon, ob es sich um eine cannabisassoziierte oder eine primäre Psychose handelt – in jedem Fall eine adäquate Behandlung angeboten werden (1).

Tödliche THC-Dosis? Beim Menschen unbekannt: Eine empirisch bestimmte letale Dosis von Δ⁹ THC beim Menschen liegt bisher nicht vor. Tierexperimentelle Daten und epidemiologische Auswertungen legen nahe, dass eine tödliche THC-Überdosierung beim Menschen unter realistischen Konsumbedingungen extrem unwahrscheinlich ist. Hingegen gibt es mehrere Todesfälle nach Einnahme illegaler, nicht medizinischer synthetischer Cannabinoide. Die Kombination von Cannabiskonsum mit anderen Substanzen, Unfälle, Selbstverletzungen oder der Einfluss von Cannabis auf das Herz-Kreislaufsystem könnten das Sterberisiko jedoch erhöhen (6).

Quellen:

  1. Hoch, E., Preuss, U.W. Cannabiskonsum und Cannabiskonsumstörungen.Nervenarzt 95, 781–796 (2024). https://doi.org/10.1007/s00115-024-01722-5
  2. Richards, J. R., Bing, M. L., Moulin, A. K., Elder, J. W., Rominski, R. T., Summers, P. J., & Laurin, E. G. (2019). Cannabis use and acute coronary syndrome.Clinical Toxicology57(10), 831–841. https://doi.org/10.1080/15563650.2019.1601735
  3. Kamel I, Mahmoud AK, Twayana AR, Younes AM, Horn B, Dietzius H. Myocardial Infarction and Cardiovascular Risks Associated With Cannabis Use: A Multicenter Retrospective Study. JACC Adv. 2025 May;4(5):101698. doi: 10.1016/j.jacadv.2025.101698. Epub 2025 Mar 18. PMID: 40104933; PMCID: PMC12235408.
  4. Jeffers, Abra M.; Glantz, Stanton; Byers, Amy L.; Keyhani, Salomeh (2024): Association of Cannabis Use With Cardiovascular Outcomes Among US Adults. In: Journal of the American Heart Association 13 (5), e030178. DOI: 10.1161/JAHA.123.
  5. Marinol Prescribing Information (U.S.) (2023); www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2023/018651s033lbl.pdf (Zugriff: 16.12.2025)
  6. Hoch E, Friemel CM, Schneider M. (2018). Cannabis: Potenzial und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse (CaPRis) Heidelberg: Springer-Verlag.