Eindosierung Cannabisarzneimittel zur oralen Einnahme (z.B. ölige Extrakte, Kapseln, Mundsprays)

Die Dosierung von oralen Cannabisarzneimitteln ist immer individuell und orientiert sich insbesondere am THC-Gehalt sowie am Ansprechen und an der Verträglichkeit der Patient*innen. Verbindliche, wissenschaftlich fundierte Standarddosen existieren nicht. Nach der oralen Einnahme von öligen Cannabisextrakten oder Kapseln ist die Wirkung, beeinflusst von der Nahrungsaufnahme, meist nach ca. 30-90min spürbar und dauert typischerweise 4-8 Stunden an. Dies kann individuell variieren. Mundsprays auf Basis von Wasser oder Ethanol werden unter die Zunge bzw. an verschiedene Stellen in der Mundhöhle gesprüht. Hier kann die Wirkung schon nach ca. 15-40 min zu spüren sein und ca. 2-4 Stunden anhalten.

Beispiel für Startdosierschema für ölige Cannabisextrakte 25 mg/ml THC
Tag (ml Extrakt) morgens (ml Extrakt) mittags (ml Extrakt) abends (mg THC) gesamt/Tag Erzielter Effekt gut? (ja/nein)
1–2 0,1 2,5
3–4 0,1 0,1 5
5–6 0,1 0,1 0,1 7,5
7–8 0,1 0,1 0,2 10
9–10 0,1 0,2 0,2 12,5
11–12 25 25 50 15
13–14 0,2 0,2 0,3 17,5

Grundprinzipien

  •  „Start low, go slow“: Einschleichende Dosierung über mehrere Tage bis wenige Wochen, mit der niedrigsten möglichen Startdosis zur Minimierung von Nebenwirkungen. Die Startdosis liegt in der Regel bei 2,5mg THC. Bei empfindlichen Patient*innen kann bei Bedarf mit einer noch niedrigeren Dosierung z.B. mit 1,25mg THC begonnen werden.
  • Die Zieldosis ist die geringste Dosis, die eine relevante Symptomlinderung bei guter Verträglichkeit erreicht.
  • Empfohlen ist eine möglichst konstante Einnahmeweise (immer ähnlich in Bezug auf Mahlzeiten), damit Wirkung und Spiegel nicht stark schwanken.
  • Die Bioverfügbarkeit von oralen THC-Extrakten wird in der Literatur mit etwa 10–20% angegeben (1). Dabei spielt Nahrung eine Rolle: Nüchtern (30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit, frühestens 2-3 Stunden danach): erfolgt eine schnellere, etwas besser vorhersagbare Resorption, aber tendenziell geringere Bioverfügbarkeit und höheres Risiko für Magen-Darm-Beschwerden bei empfindlichen Personen. Nüchtern erreichen Frauen höhere maximale THC-Blutspiegel als Männer (1). Zu/nach dem Essen: Langsamerer Wirkeintritt, dafür meist höhere Bioverfügbarkeit (insbesondere fettreiche Mahlzeit erhöht die Bioverfügbarkeit von THC und CBD um bis zu 3-Fache) (1;2;3)

Aufdosierung

  • Das Aufdosierungsintervall von oralen Cannabis-Zubereitungen ist abhängig vom THC-Anteil, der körpereigenen Aufnahme, Verteilung sowie des Abbaus im Körper und erfolgt individuell, in Abhängigkeit von erlebter Wirkung und Nebenwirkung.
  • Bei empfindlichen Patient*innen empfiehlt sich eine Dosissteigerung nur alle 2–3 Tage, abhängig von Effekt und Verträglichkeit.

Anwendungshinweise

  • Therapiebeginn vorzugsweise abends, um mögliche zentrale Nebenwirkungen (z. B. Müdigkeit, Schwindel) besser beobachten zu können.
  • Zwischen den Einnahmen sollte ein Abstand von mindestens 2 Stunden liegen, um Wirkung und mögliche Nebenwirkungen sicher beurteilen zu können und eine Überdosierung zu vermeiden.
  • THC ist in der Regel der dosislimitierende Faktor. CBD kann die Verträglichkeit verbessern, ohne berauschend zu wirken.

Ärztliche Begleitung

  • Eine ausführliche Aufklärung, Dokumentation und Begleitung durch Ärzt*innen und Apotheker*innen ist wichtig, insbesondere zu Einnahme, Risiken, Wechselwirkungen und sicherem Umgang.

Dosierhilfen

  • Kolbendosierpipette: Abmessung in 0,05mL Einheiten möglich
  • Dosierpumpe
  • Senkrechttropfer

Ölige Extrakte – Vorteile

Einfache, diskretere Einnahme: Tropfen lassen sich gut dosieren und in kleinen Schritten an individuelle Bedürfnisse anpassen. Gleichmäßige, längere Wirkungsdauer: Die Wirkung hält in der Regel etwa 4–8 Stunden an, was für eine gleichmäßigere Symptomkontrolle sorgen kann.

Kapseln und Mundspray – Vorteile

Einfache, diskretere, alltagstaugliche Einnahme und sehr präzise Dosierung: Jede Kapsel / jeder Sprühstoß enthält eine definierte Menge Wirkstoff, Dosierungsschwankungen sind dadurch geringer. Keine Vorbereitung/kein Zubehör nötig.

Verkapselte Granulate – Vorteile

Einfache, diskretere, alltagstaugliche Einnahme und sehr präzise Dosierung: Jede Kapsel enthält eine definierte Menge an granuliertem Wirkstoff, Dosierungsschwankungen sind dadurch geringer. Das Granulat kann auch in Wasser dispergiert getrunken bzw. über Sonden appliziert werden.

Ölige Extrakte – Nachteile

Geschmack und Öl-Gefühl im Mund können als unangenehm empfunden werden. Handhabung (Flasche, Pipette, Tropfen zählen) ist etwas fehleranfälliger als feste Formen.

Wirkstoffe werden über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen und zunächst in der Leber verstoffwechselt (First-Pass-Effekt), was das Risiko für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und Unverträglichkeiten erhöhen kann.

Quellen:

1) Wall, M.E., Sadler, B.M., Brine, D., Taylor, H. and Perez-Reyes, M. (1983), Metabolism, disposition, and kinetics of delta-9-tetrahydrocannabinol in men and women. Clinical Pharmacology & Therapeutics, 34: 352-363. https://doi.org/10.1038/clpt.1983.179 2) Lunn S, Diaz P, O’Hearn S, Cahill SP, Blake A, Narine K, et al. Human pharmacokinetic parameters of orally administered Δ9-tetrahydrocannabinol capsules are altered by fed versus fasted conditions and sex differences. Cannabis Cannabinoid Res. 2019;4(4):255 264. 3) Fachinfo Epidyolex 2024 www.fachinfo.de/fi/detail/023675 (Zugriffs Datum 07.01.2026)

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