Dosierung von Cannabisblüten zur Inhalation

Die Dosierung von Cannabisblüten ist immer individuell und orientiert sich insbesondere am THC-Gehalt, des Ansprechens und der Verträglichkeit der Patient*innen. Verbindliche, wissenschaftlich fundierte Standarddosen existieren nicht. Nach Inhalation ist die Wirkung meist nach Sekunden bis wenigen Minuten spürbar und dauert typischerweise 2–4 Stunden an, kann aber individuell variieren.

Beispiel für Startdosierschema für Cannabisblüten zur Inhalation mit 10 % THC
Tag (mg Blüten) morgens (mg Blüten) mittags (mg Blüten) nachmittags (mg Blüten) abends (mg Blüten) gesamt (mg THC) gesamt/Tag Effekt gut? (ja/nein)
1–2 25* 25 2,5
3–4 25 25 50 5
5–6 25 25 25 75 7,5
7–8 25 25 25 25 100 10
9–10 25 25 25 50 125 12,5
11–12 25 25 50 50 150 15
13–14 50 50 50 50 175 17,5

*25 mg = 0,025 g

Grundprinzipien

  • „Start low, go slow“: Einschleichende Dosierung über mehrere Tage bis wenige Wochen, mit der niedrigst möglichen Startdosis zur Minimierung von Nebenwirkungen. Die Startdosis liegt in der Regel bei 2,5mg THC. Bei empfindlichen Patient*innen kann bei Bedarf mit einer noch niedrigeren Dosierung z.B. mit 1,25mg THC begonnen werden.
  • Die Zieldosis ist die geringste Dosis, die eine relevante Symptomlinderung bei guter Verträglichkeit erreicht.

Aufdosierung

  • Das Aufdosierungsintervall von Cannabisblüten ist abhängig vom THC-Anteil, und der körpereigenen Aufnahme, Verteilung sowie des Abbaus im Körper und erfolgt individuell, in Abhängigkeit von erlebter Wirkung und Nebenwirkung.
  • Bei empfindlichen Patient*innen empfiehlt sich eine Dosissteigerung nur alle 2–3 Tage, abhängig von Effekt und Verträglichkeit.

Anwendungshinweise

  • Therapiebeginn vorzugsweise abends, um mögliche zentrale Nebenwirkungen (z. B. Müdigkeit, Schwindel) besser beobachten zu können.
  • Zwischen einzelnen Inhalationen sollte ein Abstand von mindestens 10–15 Minuten liegen, um Wirkung und mögliche Nebenwirkungen sicher beurteilen zu können und eine Überdosierung zu vermeiden.
  • THC ist in der Regel der dosislimitierende Faktor. CBD kann die Verträglichkeit verbessern, ohne berauschend zu wirken.

Ärztliche Begleitung

  • Eine ausführliche Aufklärung, Dokumentation und Begleitung durch Ärzt*innen und Apotheker*innen ist wichtig, insbesondere zu Einnahme, Risiken, Wechselwirkungen und sicherem Umgang.

Dosierhilfen

  • Dosierlöffel: wir stellen Ihnen gerne einen Dosierlöffel zur Verfügung.
  • Feinwaagen: werden derzeit nicht über uns angeboten. Eine Feinwaage kann bei der Dosierung von Cannabisblüten eine sinnvolle Hilfe sein, jedoch können diese für die Dosierung sehr kleiner Mengen wie 25 mg (0,025g) relativ ungenau sein. Beim Kauf sollte man auf die Angaben „Linearität“ und „Reproduzierbarkeit“ achten. Unter „Linearität ± 0,03 g“ versteht man zum Beispiel, dass die Waage im schlimmsten Fall um bis zu 0,03 g (30mg) vom tatsächlichen Gewicht abweichen kann. „Reproduzierbarkeit 0,02 g“ bedeutet, dass wiederholte Wägungen desselben Gewichts um 0,02 g (20mg) voneinander abweichen können; die Waage misst also bei Wiederholungen nicht immer das gleiche Gewicht. Für geringe Dosierungen sind Dosierlöffel zu empfehlen.

Vorteile der Inhalation von Cannabisblüten

  • Schneller Wirkeintritt: Wirkung meist nach Sekunden bis wenigen Minuten spürbar; das Wirkmaximum wird in der Regel nach ca. 3-10 Minuten erreicht (1;2). Die Wirkdauer liegt typischerweise bei etwa 2–4 Stunden, kann aber individuell variieren. (Im Vergleich zur oralen Einnahme von Cannabisarzneimitteln, deren maximaler Wirkspiegel nach ca. 120 Minuten erreicht wird und wegen der Verstoffwechslung in der Leber zu niedrigeren Wirkspiegel führt) (1).
  • Hohe Bioverfügbarkeit: Der Wirkstoff gelangt über die Lunge rasch und in relativ hoher Konzentration ins Blut. Ein Effekt, der insbesondere bei Schmerzspitzen und Spastiken gewünscht ist. Die Bioverfügbarkeit ist deutlich höher als bei der oralen Einnahme von Cannabisarzneimitteln. Die systemische Bioverfügbarkeit von inhalativem THC liegt bei etwa 10–35%, abhängig von Zugzahl, Zugdauer, Inhalationsvolumen, Gerät und Partikeldeposition (1;3).
  • Umgehung des First-Pass-Effekts: Die Leber (Ort der Verstoffwechslung) wird zunächst umgangen, was den sogenannten First-Pass-Effekt reduziert und dadurch weniger Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln verursacht. Dies kann mit einer besseren Verträglichkeit verbunden sein.
  • Fein steuerbare Eindosierung: Durch schrittweises Inhalieren können Patient*innen Wirkung und Verträglichkeit zeitnah einschätzen und die Dosis im Rahmen der ärztlichen Vorgaben gut anpassen.

Nachteile der Inhalation von Cannabisblüten

  • Überdosierungsrisiko: die volle Wirkung der ersten Züge ist oft noch nicht vollständig spürbar, der Höhepunkt der Wirkung wird nach etwa 3-10 Minuten erreicht. Werden in kurzer Zeit weitere Züge genommen, können hohe Blutspiegel mit starken psychischen und körperlichen Effekten entstehen (Schwindel, Übelkeit, Herzrasen/Pulsanstieg, Angst, Verwirrung / Halluzinationen oder ausgeprägter Müdigkeit), bevor jemand merkt, dass es „zu viel“ war. Deshalb bei Neueinstellungen, neuen Sorten oder nach längerer Pause besonders vorsichtig dosieren. (Lesen Sie dazu den Beitrag Cannabisüberdosierung, Intoxikation und Entzugssymptome)
  • Feinmotorisches Geschick: Die Methode verlangt eine gewisse Fingerfertigkeit, da Blüten zerkleinert, korrekt in den Vaporisator eingebracht werden müssen und das Gerät richtig bedient und gereinigt werden muss. (Auf Wunsch können wir Ihnen die Blüte zerkleinern – mit dem Zusatz NRF 22.12 auf Ihrer ärztlichen Verordnung. Mit dem Zusatz NRF 22.13 werden wir Ihnen die Blüte zerkleinern und in Einzeldosen portionieren.)
  • Pflegeaufwand: Der Vaporisator muss regelmäßig gereinigt und gewartet werden, um eine konstante Wirkung und hygienische Anwendung, sowie eine möglichst lange Lebensdauer des Geräts sicherzustellen.
  • Variabilität der Wirkung: Inhalationstechnik, individuelle Lungenfunktion und Geräteeinstellungen können Wirkung und aufgenommene Dosis deutlich beeinflussen, was zu Schwankungen der pharmakologischen Wirkung führen kann.

Gemeinsam gut informiert zur Cannabinoid­-Therapie

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Quellen:

  1. Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. The pharmacokinetics and the pharmacodynamics of cannabinoids. Br J Clin Pharmacol. 2018;84(11):2477‑2482.
  2. Spindle TR, Cone EJ, Schlienz NJ, Mitchell JM, Bigelow GE, Flegel R, et al. Acute pharmacokinetic profile of smoked and vaporized cannabis in human blood and oral fluid. J Anal Toxicol. 2019;43(4):233‑258
  3. Grotenhermen F. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clin Pharmacokinet 2003; 42: 327–60.